Wärmepumpe im Altbau. Lohnt sich das wirklich
Viel öfter ja als gedacht. Entscheidend sind Ihre Heizkörper und die Vorlauftemperatur, nicht das Baujahr. Wir schauen es uns ehrlich an.

Die Wärmepumpe gilt zu Unrecht als reine Neubaulösung. Studien und die Praxis zeigen, dass sie auch in vielen Altbauten gut funktioniert, wenn die Planung stimmt. Die wichtigste Zahl ist dabei die Vorlauftemperatur.
Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau überhaupt?
Ja, und zwar viel öfter als gedacht. Das größte Forschungsprojekt dazu kommt vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme. Vier Jahre lang wurden 77 Wärmepumpen in echten Wohnhäusern vermessen, darunter viele Altbauten mit Baujahren bis zurück ins 19. Jahrhundert.
- ✓Das Baujahr ist nicht entscheidend. Die Forscher fanden keinen Zusammenhang zwischen dem Alter des Hauses und der Effizienz der Wärmepumpe.
- ✓Gute Werte auch ohne Vollsanierung. Luftwärmepumpen erreichten im Schnitt eine Jahresarbeitszahl von 3,4, Erdwärmepumpen von 4,3. Aus einer Kilowattstunde Strom werden also drei bis vier Kilowattstunden Wärme.
- ✓Deutlich weniger CO2. Im Schnitt stießen die Anlagen 64 Prozent weniger CO2 aus als eine vergleichbare Gasheizung, auch in unsanierten Häusern.
- ✓Sehr zuverlässig. Die Anlagen liefen an mehr als 98 Prozent der Zeit störungsfrei, der ungeliebte Heizstab sprang kaum an.
Kurz gesagt. Entscheidend ist nicht, wie alt Ihr Haus ist, sondern mit welcher Temperatur es warm wird. Genau das schauen wir uns vorher an.
Worauf es wirklich ankommt
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das zu Ihren Heizkörpern fließt. Je niedriger sie ausfällt, desto sparsamer arbeitet eine Wärmepumpe. Jedes Grad weniger senkt den Stromverbrauch um rund zweieinhalb Prozent. Als Faustregel der Verbraucherzentrale gilt, bleibt Ihr Haus ganzjährig mit 55 Grad Vorlauf oder weniger warm, passt eine normale Wärmepumpe gut.
| Heizfläche | Vorlauftemperatur | Eignung |
|---|---|---|
| Fußbodenheizung | 30 bis 40 Grad | ideal, höchste Effizienz |
| Niedertemperatur Heizkörper | 40 bis 50 Grad | sehr gut geeignet |
| Große Plattenheizkörper Typ 22 oder 33 | 50 bis 55 Grad | gut geeignet |
| Alte kleine Gliederheizkörper | 70 bis 90 Grad | erst einzelne tauschen oder Hochtemperaturgerät |
Welche Vorteile hat eine Wärmepumpe im Altbau?
Gerade im Altbau mit alter Gas oder Ölheizung lohnt sich der Umstieg oft besonders, weil hier die höchste Förderung greift und die laufenden Kosten am stärksten sinken.
- ✓Höchste Förderung. Wer eine alte Öl oder Gasheizung ersetzt, bekommt über die KfW bis zu 70 Prozent Zuschuss, bei kleinem Einkommen bis zu 80 Prozent.
- ✓Niedrige Heizkosten. Statt teurem Gas oder Öl zahlen Sie nur noch Strom für die Wärmepumpe und sparen im Betrieb spürbar.
- ✓Keine CO2 Abgabe. Die steigende CO2 Abgabe auf Öl und Gas entfällt für Sie komplett.
- ✓Mehr Wert fürs Haus. Eine moderne Wärmepumpe verbessert den Energiewert und macht Ihr Haus beim Verkauf attraktiver.
- ✓Kühlen im Sommer. Viele Geräte kühlen auf Wunsch im Sommer die Räume, etwas das Ihre alte Heizung nie konnte.
Brauche ich eine Fußbodenheizung?
Nein. Das ist das häufigste Missverständnis. Viele Altbauten haben großzügig dimensionierte Heizkörper, weil sie für schlechtere Dämmstandards ausgelegt wurden. Diese großen Flächen geben die Wärme auch bei niedrigerer Vorlauftemperatur ab. Das Fraunhofer Institut hat gezeigt, dass ausreichend große Heizkörper mit ähnlich niedrigen Temperaturen auskommen wie eine Fußbodenheizung. Plattenheizkörper vom Typ 22 oder 33 sind dafür meist gut geeignet. Nur einzelne zu kleine Heizkörper tauscht man gegen größere.
Muss ich meinen Altbau erst dämmen?
Meistens nicht. Eine Wärmepumpe funktioniert auch im ungedämmten Altbau, solange die Heizkörper groß genug sind. Eine Dämmung senkt den Wärmebedarf und damit die Betriebskosten weiter, sie ist also ein Gewinn an Effizienz, aber keine Voraussetzung für den Betrieb. Oft genügt schon ein hydraulischer Abgleich, bei dem wir die Heizung sauber einstellen, um die vorhandenen Heizkörper wärmepumpentauglich zu machen.
So testen Sie es selbst
Es gibt einen einfachen Test für einen kalten Wintertag.
- 1.Stellen Sie die Vorlauftemperatur Ihrer jetzigen Heizung auf etwa 50 bis 55 Grad.
- 2.Drehen Sie alle Thermostate voll auf.
- 3.Wird es in allen Räumen angenehm warm, ist Ihr Haus für eine Wärmepumpe gut geeignet.
Dieser Test ist ein erster Anhaltspunkt. Für die genaue Auslegung rechnen wir die Heizlast Ihres Hauses und prüfen jeden Raum einzeln.
Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau?
Die Preise schwanken je nach Haus und Anlage. Diese Rahmen nennen die aktuellen Marktübersichten.
- ✓Eine Luftwärmepumpe mit Einbau liegt im Altbau grob bei 27.000 bis 40.000 Euro.
- ✓Müssen einzelne Heizkörper getauscht werden, kommen meist 1.500 bis 3.000 Euro dazu.
- ✓Über die KfW gibt es 30 bis 70 Prozent Zuschuss, beim Ersatz einer alten Öl oder Gasheizung mit kleinem Einkommen bis zu 80 Prozent.
- ✓Nach Abzug der Förderung bleibt oft deutlich weniger übrig, als viele erwarten.
Was in Ihrem Fall nach Abzug der Förderung übrig bleibt, rechnen wir vorher ehrlich durch, bevor Sie sich festlegen.
Was ist mit sehr schlecht gedämmten Häusern?
Braucht Ihr Haus dauerhaft 70 Grad Vorlauf oder mehr, gibt es Hochtemperatur Wärmepumpen, die diese Temperaturen auch bei tiefen Minusgraden liefern. Sie ersetzen die alte Heizung oft ohne Umbau, arbeiten aber weniger sparsam als eine Anlage mit niedriger Vorlauftemperatur. Ob sich eher ein paar neue Heizkörper, eine Teildämmung oder eine solche Wärmepumpe lohnt, rechnen wir in Ruhe mit Ihnen durch. Wir reden Ihnen nichts ein, was sich für Sie nicht trägt.

